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Reaktion auf den VICE Artikel

in Gebabbel 24.02.2016 14:11
von Jonathan • 36 Beiträge

soeben erreichte mich folgender text von einem unserer stammfahrer. mit der bitte um anonyme veröffentlichung. ich gebe das unkommentiert weiter:

Reaktion auf den Vice Artikel "Auswärtsfahrer"

Neulich geisterte auch in unserer Gruppe ein durchschnittlicher Artikel eines durchschnittlichen Online-Magazins, verfasst von einem unterdurchschnittlichen Autor, rum. In eben jenem wurde ekelhaft verallgemeinernd über angebliche Arten von Auswärtsfans hergezogen. Dabei wurden jedwede Klischees über Fussballfans auf unterstem Niveau bedient. Der Autor dieses Textes verurteilt diese Art „Journalismus“ aufs Schärfste und nimmt sich im Folgenden heraus, einige Fakten richtigzustellen.

Da ich selbst eigentlich jedes zweite Wochenende durch die Republik düse, um meine Mannschaft zu unterstützen (F95 selbstredend nicht), habe ich verschiedene Typen von Auswärtsfans ausgemacht:

Der, der immer Bock hat
Man erkennt ihn an der North Face Jacke und den Schuhe von New Balance. Gegen Gegner mit Potenzial ist er immer dabei und hochmotiviert. Sein Fachwissen bezieht er seit der Schließung des Forums mit acht Buchstaben von zwielichtigen Facebookseiten. Auf den Parkplätzen der Republik fällt er durch ständige Provokation auf. Sobald die Stadtgrenzen des Zielorts passiert sind, hängt er an der Scheibe des Busses oder der Bahn, um wildfremde Menschen anzupöbeln und durch obszöne Gesten eine Schlägerei anzuzetteln. Gelingt im Grunde nie. Für die Gruppe ist er wichtig, um den Ruf des menschenunwürdigen Mobs aufrecht zu erhalten.

Der Reporter
Der Reporter zeichnet sich sowohl durch einen ausgereiften Schreibstil, als auch durch eine hohe Beobachtungs-, Auffassungs- und Erinnerungsgabe aus. Praktisch kein Ereignis entgeht seinem aufmerksamen Blick und brennt sich trotz ausgedehntem Alkoholgenuss in sein Gedächtnis ein. Zusätzlich tauchen zu seinem wenige Tage später erscheinenden Bericht auf einmal Fotos auf, an die sich keiner so Recht erinnern kann. Einem Phantom gleich muss er diese wohl unter Ausnutzung des Genussmittelkonsums zu fortgeschrittener Uhrzeit anfertigen. In der Gruppe ersetzt er das Gedächtnis einiger Vieler.

Der Hopper
In den ersten drei Ligen gibt es anscheinend keinen Ground, den er noch nicht gekreuzt hat. Jede architektonische Besonderheit des Zielstadions wird im Laufe der Fahrt ausgiebig mit dem Lieblingssportplatz verglichen. Dazu gehören auch lokale Köstlichkeiten (Nudeleintopf) und die Sorte des Stadionbieres (Wernesgrüner) sowie die Tormusik des gastgebenden Vereins („Immer wieder“). Treffen zwei dieser Spezialisten aufeinander, kann sich ein für Zuhörer beschämendes Fachgespräch entwickeln. In der Gruppe existieren mehr dieser Gestalten als manch einem gewahr ist.

Der Pessimist
Es gibt keine Statistik, kein Anzeichen und keinen Vorbericht, die der Pessimist nicht kennt. Und ausnahmslos alle dieser Statistiken, Anzeichen und Vorberichte deuten einzig und allein auf ein Ereignis: die bevorstehende Niederlage. Geht es nach dem Pessimisten, ist jedes Spiel ein 12-Punkte-Abstiegs-Finale. Zu seiner Verteidigung sei gesagt, dass es mindestens genauso viele gibt, die nach einer knappen Niederlage anfangen von Europa zu träumen, „weil die 2. Halbzeit so schlecht nicht war.“ Die Gruppe reagiert, auf Grund von steigender Gereiztheit durch die Diskussionen der zwei Fraktionen, mit zunehmendem Alkoholverzehr.

Der Eventie
Trifft man auf eine Person, die weder Tabellenstand der magischen Eintracht noch den Namen des Vorstandsvorsitzenden noch Zielort der Reise nennen kann, handelt es sich bei dieser vermutlich um einen sogenannten Event Fan. Er versucht Fußballsachverstand durch die Wiederholung hohler Phrasen aus dem Sport1 Doppelpass zu heucheln, ist aber in Wahrheit nur an der großen Sause rund um das Fußballspiel interessiert. Ihm ist die richtige Reihenfolge der Schlagersternchen auf der Hit Mix CD wichtiger als das Ergebnis, was dazu führt, dass er unabhängig vom Spielausgang auf der Rückfahrt die legendärste Party seines Lebens feiern möchte. Von der Gruppe wird er zwar belächelt, aber auf Grund hoher Alkoholverträglichkeit ebenfalls geachtet.

Die Spieler
Hier muss nun in zwei Unterkategorien unterschieden werden. Da gibt es zum einen die Würfler, Knobler und Krokodocler. Man findet sie im mittleren Teil des Busses, da die baulichen Gegebenheiten des Gefährts diese Art der Spielsucht dort im Besonderen zu unterstützen scheinen. Ziel eines jeden Spielers ist nicht nur der kurzweilige Zeitvertreib, sondern vor allem der möglichst kostengünstige Genuss der flüssigen Verpflegung. Alte Legenden erzählen von Glücksrittern, die ganze Saisons keinen Cent für ihr Promillelevel aufwenden mussten. An der Reaktion der modernen Goldgräber gemessen, scheint dies aber längst vergangenen Zeiten anzugehören. Die zweite Art der Glücksuchenden versucht den großen Gewinn durch die Vorhersehung bestimmter Spielergebnisse. Dabei sind Sportart und Kontinent erstmal zweitrangig. Sie kennen jede Mannschaft der zweiten Eishockey-Damen-Liga in Kanada und sind über aktuelle Geschehnisse in der Sportwelt bestens informiert. Trotzdem scheitert es meist an diesem einen Spiel, zu dem man grade unterwegs ist, und das auf den unzähligen offenen Scheinen mit [HC (1:0) 2] auftaucht. Die Gruppe besteht quasi nur aus diesen bemitleidenswerten Geschöpfen.


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