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#1

21.11.2013 im Eintracht Museum : Klaus Toppmöller + andere

in Gruft 15.11.2013 20:18
von Thommy • 553 Beiträge

Ihr wißt ja daß sich Besuche im Museum mit jüngerem zeitgeschichtlichen Hintergrund auch für die Jüngeren von uns eignen. Hier geht es um eine der bemerkenswertesten Bundesligasaisons der Eintracht. Vor allem der Besuch von Ex-Eintrachttrainer Klaus Toppmöller wird von vielen mit Freude und Spannung erwartet. Hier der offizielle Einladungstext:

Donnerstag, 21. November: Tradition zum Anfassen „20:2“ Der Start in die Saison 1993/94 war Rekordverdächtig. Mit 20:2 Punkten führte die Eintracht die Tabelle nach 11 Spielen mit gewaltigem Vorsprung an und Klaus Toppmöller sprach den mittlerweile legendären Satz von „Bye, Bye, Bayern“. Am Ende sollte es ganz anders kommen. 20 Jahre nach den denkwürdigen Ereignissen blicken wir mit Zeitzeugen, u.a. Manfred Binz, Ralf Falkenmayer, Slobodan Komljenovic und Klaus Toppmöller noch mal zurück auf die Ereignisse vom Herbst 1993. Start: 19.30 Uhr, Eintritt 5,00 Euro, erm. 3,50 Euro. Mitglieder der FuFa und des Fördervereins Museum haben freien Eintritt.

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#2

RE: 21.11.2013 im Eintracht Museum : Klaus Toppmöller + andere

in Gruft 22.11.2013 00:35
von Thommy • 553 Beiträge

Das Eintracht Museum war am Donnerstag wieder recht gut besucht. Stühle gab es nicht mehr für alle, recht viele Besucher nahmen old-school-mäßig ihre Stehplätze ein.

Der HR war mit einem Kamerateam vor Ort, auch die schreibende Presse ließ sich diesen Ausflug in die Eintrachthistorie nicht entgehen.

Von uns waren mit Andi, Saskia, Tim und Thommy vertreten und lauschten den Ausführungen der ehemaligen Eintrachtspieler Slobodan Komljenovic, Manfred Binz, Maurizio Gaudino und des aufgrund der zahlreichen Stauungen auf den Autobahnen erst mit Verspätung eingetroffenen Ex-Trainer Klaus Toppmöller zur Bundesligasaison 1993/1994.

Zu Beginn der Veranstaltung animierte Moderator Axel die Spieler doch die ein oder andere Annekdote zum Besten zu geben solange der Trainer noch nicht da ist. Aber da gab es nichts Nennenswertes, das kam erst später.




So begann der zeitliche Ausflug in die Bundesligasaison 1993/1994, in welcher die Eintracht einen Startrekord von 20:2 Punkten in den ersten elf Spielen hinlegte. Außerdem gab es grandiose Spiele im UEFA-Pokal und man stand trotzdem zu Saisonende vor einem Scherbenhaufen. Keinen Titel geholt, Tainer Toppmöller und Torwart Uli Stein entlassen, Gaudino hatte bereits innerlich gekündigt und wollte nur noch weg und das Team innerlich gnadenlos zerstritten.

Slobodan Komljenovic hatte bereits in der Vorsaison einige Einsätze in der Profimannschaft gehabt galt aber als Neuling. Auch in der Mannschaft hatte er noch keinen so hohen Stellenwert in der Hierarchie. Er merkte daß im Spätherbst Unruhe und Zwist im Team aufkamen hatte aber als Nachwuchsmann keine großartigen Einflussmöglichkeiten. Zurückblickend auf diese Saison ist er maßlos enttäuscht war es doch im nachhinein betrachtet seine einzigste Möglichkeit in seiner Laufbahn einmal eine Meisterschaft zu erringen.




Maurizio Gaudino war zu Saisonbeginn vom VfB Stuttgart gekommen und war sofort begeistert vom spielerischen Niveau und dem Training. Besonders faszinierend war für ihn die Mannschaftsbesprechung von Trainer Toppmöller vor dem ersten Saisonspiel in Mönchengladbach. Dort hatte Toppmöller auf der ersten Flip-Chartseite die 11 Spieler der Eintracht und Gladbachs gegenübergestellt und ganz unten ein 11:0 geschrieben. Danach verglich er die Spieler: Unser Torwart Stein ist besser als der von Gladbach ....1:0. Dann ging es mit dem Linksverteidiger los (2.0) bis zum Stürmer (11:0). Ihr seht Ihr seid als Einzelspieler allesamt besser, aber da in manchen Spielen nicht alles klappt gewinnen wir heute abend halt nur 4:0.

Tatsächlich zauberte die Eintracht an jenem Freitagabend und überrollte Gladbach im eigenen Stadion auf dem Bökelberg völlig verdient mit 4:0. Gaudino war ob der offensichtlichen Seherqualitäten Toppmöllers sichtlich beeindruckt und er war mit seinem neuen Verein hochzufrieden.




Manni Binz war bereits seit einigen Jahren Stammspieler und hatte in einigen "großen" Eintrachtmannschaften mitgespielt. Er ist jetzt noch darüber enttäuscht daß es in dieser Saison nicht klappte. Rückblickend sagte er daß er damals seine Rolle als Libero viel zu offensiv ausgefüllt hatte. Wäre er öfters mal defensiver aufgetreten hätte die Eintracht möglicherweise entscheidende Punkte mehr geholt und es hätte doch geklappt. Die Grüppchenbildungen innerhalb des Teams gab es in seiner Eintracht-Laufbahn seiner Ansicht nach immer. Zusammen mit einem damaligen Zimmernachbarn Gaudino argumentieren beide heutzutage daß man damals innerhalb der Mannschaft mehr hätte tun und notfalls mal auf den Tisch hauen müssen des gemeinsamen Erfolges wegen. Denn vom spielerischen her war die Eintracht damals die beste Mannschaft.



Mit reichlich Verspätung, was an den vielen Stauungen an den Autobahnen rund um Frankfurt lag, trudelte dann auch der von vielen erwartete Ex-Eintrachttrainer Klaus Toppmöller ein. Natürlich frotzelten ihn seine Ex-Spieler wegen seiner Verspätung. Leider waren viele der ernsten und amüsanten Erzählungen Toppmöllers wegen der schlechten Tontechnik in den hinteren Reihen kaum verständlich. Natürlich mußte Toppmöller erzählen wie er auf sein legendären Ausspruch "Bye bye Bayern" gekommen war. Das Ganze kam ihm beim Betrachten des Spieles Bayern München - Norwich City , welches 1:2 endete und er das "Bayern, Bayern" Anfeuern aus dem Stadion im heimischen TV hörte. Und so kam es dann später zu der mittlerweile legendären Pressekonferenz, als er diesen Spruch von sich gab, und noch Jahre später für diese mutmaßliche Überheblichkeit gepaart mit dem tatsächlchen Saisonende gescholten wurde.



Auch die Geschichte mit dem lebenden Adler erzählte er, leider war das wegen der bereits erwähnten Tonqualität nur brruchstückhaft zu verstehen. Die Idee hierfür kam ihm wohl als er in einem Gespräch auf den Gedankensprung Uli Stein + Adler = Steinadler gekommen war.

Alle Beteiligten waren sich sicher daß ohne die Verletzung von Tony Yeboh die Meisterschaft klargemacht worden wäre. Denn während der Zeit der ganzen Erfolge blieben die innermannschaftlichen Streitereien unter dem Teppich. Das Ganze entwickelte erst dann die Eigendynamik als die Erfolge ausblieben.




Auch die Stationen im UEFA-Cup wurden ausführlich besprochen. Im ersten Auswärtsspiel bei Dynamo Moskau gewnn man mit 6:0 in der russischen Hauptstadt. Von der Stadt sahen die Spieler nichts und abendliche Eskapaden gab es nach Auskunft von Komljenovic keine. Das sollte sich beim nächsten Auswärtsspiel im ukrainischen Dnjeprpetrowsk ändern. Zu erwähnen sei hier vorab, daß auf dem dortigen Flughafen wegen dessen Lage in einem sowjetischen Militärgebiet noch nie vorher westliche Flugzeuge gelandet waren. Jetzt war es eine Eintracht Sondermaschine von Condor. Der Erste, der das Flugzeug verließ, war übrigens Adelmann nur mit einem Kanister Ebbelwein in der Hand.



Man kann sich das Erstaunen des ukrainischen Flughafenpersonals gut vorstellen. Ansonsten wurden unzählige Autogrammwünsche an Team und Tross gestellt und erfüllt.

Da man der ukrainischen Hotelküche nicht traute bruzzelte sich die Mannschaft heimlich in einem der Zimmer das Abendessen aus diversen Lebensmitteln, die Mannschaftsmasseur Lutz Meinl eingeschmuggelt hatte. Im Hotelrestaurant saßen letztendlich nur Trainer Toppmöller, der nach seinen Worten aber auch so gut wie nichts zu sich nahm, und ein weiterer Betreuer. Zwar verlor man das Spiel am nächsten Abend mit 0:1 kam aber durch den 2:0 Heimsieg eine Runde weiter und feierte dies dann abends auch standesgemäß.

Die nächste Runde gegen La Coruna im Achtelfinale endeten jeweils mit 1:0 Siegen der Eintracht. Die Spanier stellten damals eine Spitzenmannschaft mit zahlreichen Nationalspielern, bewundernd zählte Toppmöller damals so bekannte Namen wie z.B. Fran auf. Auch dieses Weiterkommen wurde mannschaftsintern mit einigen Gläschen gefeiert, diverse Wodka-Lemons sorgten dafür daß z.B. Manni Binz schon recht früh das Bett aufsuchen mußte.

In beiden Viertelfinalspielen gegen Austria Salzburg war die Eintracht überlegen und hätte durch bessere Chancenauswertung beide Spiele sicher gewinnen müssen. Salzburg war aufgrund der vermeindlichen Spielschwäche der Wunschgegner aller anderen Teilnehmer in diesem Viertelfinale gewesen wie Toppmöller zugab. Das Heimspiel von Salzburg wurde damals nach Wien verlegt. Das Stadion war voll, es war laut und die meist Wiener Zuschauer benahmen sich nicht nur gegenüber den Deutschen sondern insbesondere gegenüber Yeboh tüchtig daneben. Dies führte übrigens später dazu, daß Eintrachtfans eine Anzeige in deinem Wiener "Revolverblatt" (der Kronenzeitung) schalteten und sich über das rassistische Verhalten der Zuschauer mit den Worten "Wir haben nichts gegen Österreicher - wir haben was gegen Rassisten" beschwerten. Negativ stieß Toppmöller auch auf, daß vor dem Spiel dem Eintracht-Spieler Zchadadse ins Gesicht gespuckt wurde.

Beim Rückspiel in Frankfurt schaffte es die Eintracht trotz nummerischer Überlegenheit aufgrund des Feldverweises eines Österreichers nicht das Weiterkommen klar zu machen. Salzburg-Torhüter Konrad wuchs damals über sich hinaus und führte sein Team ins Elfmeterschiessen. Gaudino versemmelte den ersten Elfer, der nachfolgende Österreicher den seinen glücklicherweise auch. Dann trafen alle bis auf Manni Binz, der den sechsten und letzten Elfer für die Eintracht verschiesst.




In der Bundesliga hatte die Negativserie der Eintracht auch unschöne Ausmaße angenommen, zudem sorgten die immer zahlreicheren Ausfälle von Stammtorhüter Stein gegenüber seinen Mitspielern für Ärger. Schließlich mußten alle Spieler beim Vorstand im Hinterzimmer eines Hotels antreten und wurden zur Person Uli Stein befragt. Die Folge hiervon war daß Stein am nächsten Tag suspendiert wurde. Toppmöller sagte dem damaligen Vorstand wenn ihr meinen Stammtorhüter entlasst müßt ihr mich auch entlassen. So kam es dann auch.



Die restlichen Saisonspiele führten letztendlich zu einem halbwegs erfreulichen Ende. Durch einen Auswärtssieg beim 1. FC Köln bei gleichzeitiger Niederlage des bisherigen Drittplazierten KSC in Wattenscheid beendete die Eintracht die Saison am letzten Spieltag mit dem fünften Tabellenplatz. Aber es wäre eben wesentlich mehr dringewesen.

Natürlich gab es auch einige Annekdoten zum Besten. Herrlich die Erzählung über das Hallenmasters-Turnier in Dortmund Anfang des Jahres 1994. Uli Stein erzählte der Mannschaft abends im Hotel: "Wenn wir das Turnier gewinnen wollen müssen wir alle heute bis um zwei in die Disco". Gesagt getan, das Team ging auf die Piste und bis um zwei waren alle wieder zurück bis auf Stein. Der liess sich gegen sechs in einer weißen Stretch-Limousine vorfahren. Um sieben gab es Frühstück und da Stein verständlicherweise noch nicht unten war schickte man Falkenhain um ihn zu holen. Sichtlich zerknittert und zerstört tauchte Uli dann unten auf. Toppmöller fragt nur : " Wie siehst Du denn aus?" Antwort von Uli: "Klaus, wie soll ich denn sonst aussehen wenn ich bis um sechs morgens saufen war!" Natürlich großes Gelächter im Publikum auch als weitererzählt wurde, wie Uli beim Betreten der Halle gleich über die Werbebande fiel.




Der Abend wurde dann doch sehr lange, die Protagonisten standen den vielen Fans dann noch für zahlreiche Autogrammwünsche und Fotos zur Verfügung. Saskia überreichte im Auftrag des Museums die Präsente an die Gäste.



Eine schöne Reminiszenz an diese Saison bietet auch ein Artikel aus den 11 Freunden:
http://www.11freunde.de/artikel/wie-eint...liga-verzueckte

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#3

RE: 21.11.2013 im Eintracht Museum : Klaus Toppmöller + andere

in Gruft 22.11.2013 09:10
von Thommy • 553 Beiträge
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#4

RE: 21.11.2013 im Eintracht Museum : Klaus Toppmöller + andere

in Gruft 22.11.2013 16:06
von DjSge • 496 Beiträge

Danke für diesen ausfürlichen Bericht.

Bilder gehen über imageshack.....

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